Über die Diskrimination von Radfahrern
Ich fahre Fahrrad.
Auch im Winter. Zum einen aus Prinzip (dass es die ultimative, ökologischste, billigste, spaßigste, gesündeste und im Stadtverkehr auch noch schnellste Fortbewegungsmethode ist, brauche ich ja wohl nicht extra zu betonen), zum anderen, weil ich mein Bike so sehr liebe und keinen Tag ohne es verbringen will. Ich liebe mein Baby übrigens so sehr, dass ich es jetzt auch nicht mehr draußen stehen lassen will und es darum jeden Tag zu mir in den 4. Stock hoch trage, damit es nicht friert.
Außerdem fahre aber auch immer noch Rad, weil ich mir das Semesterticket für die Straßenbahn nicht mehr leisten kann, weil ich das Geld für einen Fahrradhelm ausgegeben habe (so viel zum Thema billigstes Fortbewegung
). Ich MUSS also quasi Rad fahren.
Jetzt ist Winter, das haben alle mitbekommen. Und die Stadt versucht, dem meterhohen Schnee Herr zu werden und schön alle Wege immer frei zu räumen. Klar, die Straßen haben Priorität. Dann kommen die Fußwege.
Und die Radwege werden einfach ausgelassen.
Das finde ich doof. Denn mein Fahrrad ist zwar mit Winterreifen, Schneeketten, Spikes und Nebelscheinwerfern ausgestattet, also ein richtiges Panzerbike. Und damit wälze ich mich unaufhaltbar (unstoppable!) von Stötteritz aus in alle Richtungen. Aber ich bin ja nicht die einzige, die – aus welchen Gründen auch immer – noch immer Rad fährt. (Hier möchte ich übrigens allen meinen radfahrenden Mitmenschen meinen tiefsten Respekt aussprechen.) Und da ist es mitunter ein Gerutsche und Geschlitter um mich herum, wenn meine Mithelden sich durch tiefes Schneegestöber vorwärts wühlen. Ich spreche also nicht nur für mich, wenn ich vorsichtig fordere, dass Radwegen genau so viel Aufmerksamkeit geschenkt werden soll. Es ist übrigens auch keine sehr befriedigende Option, einfach auf den Fußwegen zu fahren, denn die hören oft genug einfach irgendwo auf, meist in einem riesen Schneehaufen oder einer Bordsteinkante. Außerdem gibt es ja auch immer noch die Fußgänger, die das auch nicht so toll finden. Und auf der Straße ist es jetzt auch nicht mehr ungefährlich, denn die meisten Autos haben, da bin ich mir sicher, noch keine Winterreifen.
Wie löst man also das Problem?
Ich für meinen Teil, als überzeugter Allwetterradler wäre durchaus bereit, eine (natürlich kleine) Radsteuer zu bezahlen, mit der man, wenn alle Radfahrer sie bezahlten, einige der unzähligen Arbeitssuchenden anheuern könnte, damit sie die leipziger Radwege im Winter von Schnee und im Sommer von Glasscherben befreien…
Und nächstes Mal erfahrt ihr hier noch mehr über die Widrigkeiten, denen man sich als Fahrradfahrer ausgesetzt sieht.

Ja! Ich würde die Steuer gerne mitbezahlen. Besonders um den Glasscherben zu entfernen!