City Snow Biking und der Kategorische Imperativ

•17/12/2010 • 2 Comments

JA, Europa versinkt im Schneechaos und Nadia (“Fearless Nadia” war mal ein indischer Kinofilm) fährt noch immer mit dem Fahrrad. “Die is doch verrückt!”, werdet ihr denken, und damit seid ihr nicht alleine. Ständig hupen mich die Leute an, schütteln verständnislos den Kopf, wenn ich vorbei fahre oder beschimpfen mich sogar. So wie heute. Ich stand an der Ampel, als ein älterer Mann, der an der Bushaltestelle stand, anfing zu schimpfen. Er ließ eine Hasstirade auf mich ab, von der ich nur immer wieder “auf die Fresse” verstand. Ich soll schön auf die Fresse fallen, sonst würd er mir gerne eins in die Fresse schlagen. Dummheit muss man bestrafen. Und wenn er Auto führe, würde er mir von hinten in den Arsch fahren, damit ich so richtig auf die Fresse falle, und dann würde er zurücksetzen und nochmal so richtig schön drüber fahren, über die Fresse. Das hat er gesagt, ehrlich, und bei der Schimpferei sicher 2000 Kalorien verbraucht. Ich wünschte ihm frohe Weihnachten und dachte noch “Friede sei mit dir, Bruder”. Und fuhr weiter. Vielleicht hat er ja das Tourett-Syndrom, genauer: Koprolalie.

Und ich fahre weiter, auch wenn einige das dumm finden. Ich handle damit völlig wohlüberlegt, nach gutem Gewissen, freiem Willen und Kants Kategorischem Imperativ. Welcher nämlich besagt, dass du so handeln sollst, wie du es richtig fändest, wenn alle so handelten.

Wenn alle Fahrrad führen (die Alten und sonstwie Radfahrunfähigen natürlich ausgenommen), dann wären sehr viel weniger Autos auf der Straße. Es wäre mehr Platz für Radfahrer, welche überhaupt weniger Platz brauchen, weniger Lärm machen, die Luft und den Schnee nicht so dreckig machen, und sehr viel weniger CO2 ausstoßen, welcher, wie wir mit unserem Halbwissen gerade noch so behaupten können, ein wesentlicher Faktor für die böse Klimaveränderung ist. Die Menschen wären schlanker und gesünder. Sie hätten weniger Stress, weil Bewegung diesen abbaut. Sie müssten sich nicht über Spritpreise beschweren und zumindest im Stadtverkehr ist man mit dem Fahrrad fast genau so schnell, wie mit Auto oder der Straßenbahn.

“Klar is das gefährlich!, sagte meine liebste Freundin S., die übrigens genau so wenig Rad fährt, wie der Alte an der BuHa. “Du kannst jederzeit ausrutschen und hinfallen.”

Richtig. Aber es ist nicht gefährlicher, als mit dem Auto zu fahren, oder zu Fuß zu gehen. Auch da kann man jeder Zeit ausrutschen. Mit dem Auto gefährdet man damit zudem mehr die anderen Leute, als sich selbst.

Es ist übrigens auch gefährlich, die Türklinken an der Uni (oder anderen öffentlichen Einrichtungen) anzufassen. Könnt ihr euch vorstellen, wie viel Keime da dran sind? Mehr, als auf öffentlichen Toiletten. Es ist auch gefährlich, irgendwas zu essen, was man nicht selbst in einem Boden angebaut hat, von dem man sich sicher ist, dass er auf keinen Fall mit irgendwas verseucht ist. Es ist gefährlich, in Indien mit einem Bus zu fahren oder in Europa in der Nähe eines Atomkraftwerkes zu leben, wobei “in der Nähe” ein sehr weiter Begriff ist, in dem Fall. Es ist auch gefährlich, mit dem Handy zu telefonieren.

Und besonders gefährlich ist es, nachts mit 70 km/h bei Schnee an einem Fahrradfahrer vorbei zu fahren, mit 8 cm Abstand, und diesen Fahrradfahrer auch noch anzuhupen. Davon erschrickt der nämlich nur und bekommt Stress und dann rutscht er am Ende vielleicht sogar wirklich aus.

Und an alle Sympatisanten mit meinem Fresse-Freund da draußen, die sich denken, er hat doch Recht, denen kann ich nur sagen, dass ich es mit dem Rad genau so gut einschätzen kann, wie ein Fußgänger oder Autofahrer, ob es so glatt ist, dass man sich fortbewegen kann, oder nicht; wenn nicht sogar besser. Ich bin an allen Ecken ausgeleuchtet und gut sichtbar, ich trage einen Helm, brauche die Bewegung, kann mir Bahnfahren nicht leisten und habe außerdem keine Lust, eine halbe Stunde früher aufzustehen, weil ich einen riesen Umweg mit Umsteigen machen muss, um da hin zu kommen, wo ich hin will.

Also bitte, nehmt Rücksicht und lasst die armen Radfahrer in Ruhe, die jetzt eigentlich eher einen Heldenorden oder wenigstens ein Schulterklopfen verdient hätten.

So! Das musste raus. Fresse.

Schnee

•02/12/2010 • 1 Comment

Haha, jetzt schneit es hier auch wieder!!!

:D

Über die Diskrimination von Radfahrern

•29/11/2010 • 1 Comment

Ich fahre Fahrrad.

Auch im Winter. Zum einen aus Prinzip (dass es die ultimative, ökologischste, billigste, spaßigste, gesündeste und im Stadtverkehr auch noch schnellste Fortbewegungsmethode ist, brauche ich ja wohl nicht extra zu betonen), zum anderen, weil ich mein Bike so sehr liebe und keinen Tag ohne es verbringen will. Ich liebe mein Baby übrigens so sehr, dass ich es jetzt auch nicht mehr draußen stehen lassen will und es darum jeden Tag zu mir in den 4. Stock hoch trage, damit es nicht friert.

Außerdem fahre aber auch immer noch Rad, weil ich mir das Semesterticket für die Straßenbahn nicht mehr leisten kann, weil ich das Geld für einen Fahrradhelm ausgegeben habe (so viel zum Thema billigstes Fortbewegung :D ). Ich MUSS also quasi Rad fahren.

Jetzt ist Winter, das haben alle mitbekommen. Und die Stadt versucht, dem meterhohen Schnee Herr zu werden und schön alle Wege immer frei zu räumen. Klar, die Straßen haben Priorität. Dann kommen die Fußwege.

Und die Radwege werden einfach ausgelassen.

Das finde ich doof. Denn mein Fahrrad ist zwar mit Winterreifen, Schneeketten, Spikes und Nebelscheinwerfern ausgestattet, also ein richtiges Panzerbike. Und damit wälze ich mich unaufhaltbar (unstoppable!) von Stötteritz aus in alle Richtungen. Aber ich bin ja nicht die einzige, die – aus welchen Gründen auch immer – noch immer Rad fährt. (Hier möchte ich übrigens allen meinen radfahrenden Mitmenschen meinen tiefsten Respekt aussprechen.) Und da ist es mitunter ein Gerutsche und Geschlitter um mich herum, wenn meine Mithelden sich durch tiefes Schneegestöber vorwärts wühlen. Ich spreche also nicht nur für mich, wenn ich vorsichtig fordere, dass Radwegen genau so viel Aufmerksamkeit geschenkt werden soll. Es ist übrigens auch keine sehr befriedigende Option, einfach auf den Fußwegen zu fahren, denn die hören oft genug einfach irgendwo auf, meist in einem riesen Schneehaufen oder einer Bordsteinkante. Außerdem gibt es ja auch immer noch die Fußgänger, die das auch nicht so toll finden. Und auf der Straße ist es jetzt auch nicht mehr ungefährlich, denn die meisten Autos haben, da bin ich mir sicher, noch keine Winterreifen.

Wie löst man also das Problem?

Ich für meinen Teil, als überzeugter Allwetterradler wäre durchaus bereit, eine (natürlich kleine) Radsteuer zu bezahlen, mit der man, wenn alle Radfahrer sie bezahlten, einige der unzähligen Arbeitssuchenden anheuern könnte, damit sie die leipziger Radwege im Winter von Schnee und im Sommer von Glasscherben befreien…

Und nächstes Mal erfahrt ihr hier noch mehr über die Widrigkeiten, denen man sich als Fahrradfahrer ausgesetzt sieht.

 

 

 

LEX

•25/10/2010 • Leave a Comment

hier:

raju baba

the passenger

•14/10/2010 • 1 Comment

And this is for Babloo, my youngest and all-time-favourite uncle-cousin-brother, who always complains that he can’t read my blog ;) and who will hopefully come to meet us on Christmas.

As you all know… I am currently working for Cirque du Soleil, the most famous artist circus from Canada, which is situated in Zürich, Switzerland right now. Therefore I am living at home with mum again, just at the river Rhine, the border to Switzerland. I take the train to Zürich every day, which takes me a little more than an hour, all together. It’s okay, some of my colleagues who come from somewhere else withIN Switzerland, even within Zürich need even more time to get to work.

And I enjoy that time, especially at night, when I go home. I have to wait at Zürich main station for 45 minutes until 23:36, which is my most favourite time of the day. I love stations, airports and places like that, where many people come together for a short while, while they are moving on somewhere else, where people pass by randomly. Where stories and histories get mixed up. There I sit and watch.

The world is theatre, live is a stage. And here is where the stories come together, where the plot loses its sense. There I sit and watch and enjoy being part of that big scene, being actor, director and spectator at the same time.

Sometimes it happens that you meet other spectator-actors (not everybody realizes that he/she is director as well).

Like Thomas.

It was a Friday or Saturday (the spectacle’s even more absurd, exciting and funny on weekends) and Thomas was sitting close to me, watching the same world from different eyes. There were some drunk guys in front of us, who tried to smash an umbrella.

Beautiful, I thought. “Terrible” he said. And “beautiful!” I answered. That’s how we started talking about it. IT.

Beautiful? You think this is beautiful?

Yes. It IS, so it’s beautiful. It’s part of IT. Life is theater.

All just a play?

Well, yes… just a play, just a game. And it’s fun. Mostly…

So you enjoy this?

Sure. Don’t you?

No. It doesn’t give me anything. I am out of it, not inside. I tried to get in contact with it, get into it, but it’s closed. It doesn’t give me anything, no one gives me anything, I have to take, whatever I need.

I offered him a brezel (I always have brezels in my bag, when I go home, because they are left over from cirque and I just wait for someone to share them with) and said that you have to pick the apple from the tree yourself, but still be grateful to the tree, because it’s giving it to you. He understood.

I recognized him as one of us, who is just not able to recognize others as well. I also realized that I couldn’t do more for him, to change his pessimistic worldview, but when I left for my train I saw he was smiling and I was smiling as well…

I am the passenger.

I look through my window so bright
I see the stars come out tonight
I see the bright and hollow sky
Over the city’s ripped backsides
And everything looks good tonight

All of it was made for you and me
‘Cause it just belongs to you and me
So let’s take a ride and see what’s mine
Singing la la la la.. lala la la

Stuttgart 21

•22/09/2010 • Leave a Comment

Lasst uns den Blick einmal nach Stuttgart wenden. Die ganze Welt tut es dieser Tage und das, so muss ich sagen, zu Recht.

Ich bin für zwei Tage nach Stuttgart gekommen, um einen Freund zu besuchen. Criz habe ich im Mai in Rishikesh getroffen, manche erinnern sich vielleicht noch (der Tag, als mir der indische Rotzbengel die Brille klaute). Jetzt ist Criz auch wieder zurück gekommen und ich hatte gerade drei Tage zirkusfrei (wer das nicht mitbekommen hat: ich bin bis Ende Oktober beim Cirque du Soleil in Zürich im Merchandizeverkauf, weeeeehaaaa). Nun, also bin ich nach Stuttgart gefahren.

Und hier geht was ab!!! Wir wissen es aus den Nachrichten, die seit Wochen immer mal wieder S-21-Schlagzeilen bringen. Aber das, was hier wirklich abgeht, das bekommen wir gar nicht richtig mit.

Stuttgart, die Stuttgarter, schreiben meiner Meinung nach gerade Geschichte.

S-21 steht für ein riesiges Bau-Projekt, das die Stadt moderner (kälter, grauer, trister) machen soll. Dafür soll der Bahnhof, neben vielen weiteren Bauprojekten unter die Erde verlegt und um 90° gedreht werden. Allerdings kostet dieses Projekt unheimlich viel Geld, und mit unheimlich meine ich unheimlich! Wie es halt immer ist, bei solchen Projekten (siehe City-Tunnel Leipzig). Außerdem soll der historische Bahnhof abgerissen werden, der eigentlich unter Denkmalschutz steht. Und am allerschlimmsten: der Stadtpark muss dafür auch verschwinden. Dieser Park ist die grüne Lunge der Stadt und für die Einwohner ein kleines Juwel der Erholung, des Lebens, des Glücks. Und er ist voller riesiger, uralter Bäume. Die demnächst dem Bagger weichen müssen.

Die Stuttgarter Bevölkerung will das nicht. Die allermeisten zumindest nicht. Und das tun sie kund. Seit Wochen, Monaten schon. Und zwar in so einfallsreicher, kreativer – und natürlich friedlicher – Form, dass man wirklich nur staunen kann.

Jeden Montag gibt es eine große Montagsdemonstration, diese Woche haben fast 20 000 Menschen teilgenommen (und ich mittendrin). Natürlich gibt es zwischen den Montagen jeden Tag kleinere Demonstrationen, Kundgebungen und Sitzblockaden, um die Arbeiter und Polizisten nicht durch zu lassen. Im Park sind ständig Leute, rund um die Uhr, um die Bäume zu bewachen. Sie feiern, chillen, grillen, machen Musik, gehen spazieren oder warten einfach nur. Sie schlafen dort und wechseln sich ab. Einige bringen den im Park stationierten Essen. Wenn die einen arbeiten gehen müssen, dann kommen die Rentner und übernehmen.

Eine Gruppe nennt ihre Aktion Robin Wood und wohnt auf den Bäumen. Auf den größten und ältesten Bäumen lebt rund um die Uhr jemand, auch sie wechseln sich ab.

Viele Bäume sind geschmückt, Zettel mit Sprüchen, Wünschen und Gedichten sind an die Stämme und Äste gebunden; ich sah einen Baum, an dessen Stamm lauter Teddybären gebunden waren, die den Baum stellvertretend beschützen. An einem Baum steht ein Altar mit Heiligen aller Religionen.

Jeden Tag um 18 Uhr gibt es den Schwabenstreich. Heißt: jeder macht für eine Minute genau da, wo er sich gerade befindet, einen mords Krach. Jeden Tag zur gleichen Zeit, in der ganzen Stadt schaffen sie sich Gehör!!!

Fast jeder trägt einen Button, eine Tasche, ein T-shirt oder einen Schirm mit einem der Aktionslogos. Und jetzt sind auch noch in der ganzen Stadt überall da, wo man was festbinden kann, grüne Bänder angebunden. Das ist der Schwabenstreich Nr.2.

Eine ganze Stadt in Proteststimmung. Permanentes Happening.

Es herrscht eine ganz spezielle, revolutionäre Stimmung in der Landeshauptstadt. Und sie verbindet alle. Ich lief an einem Baum vorbei, da riefen ein paar Teenagerjungs im Chor davon herab: „Wessen Bäume sind das? – Unsere Bäume!!!“ Eine Mutter stand mit ihrem kleinen Kind an dem Baum mit den Teddies und Criz sagte zu dem kleinen Jungen: „Ja, die beschützen die Bäume“. Da ging der Kleine zu dem Baum stellte sich zu den Bärchen und sagte: „Ich will auch Bäume beschützen.“

Ein bisschen weiter hinten hatte sich gerade eine Gruppe Rentner versammelt, die sich berieten, was sie zu dem Protest beitragen können. Und auch hier steckt eine erstaunliche Energie in den Leuten. Von wegen alte Knochen. Ich stand mit offenem Mund, angesichts dieser Bereitschaft, sich einzusetzen. Jeder findet wirklich eine Nische für sich in diesem stadtumspannenden Protest. Auf dem Programm für diese Woche steht unter anderem noch: Sitzblockadentraining, Beten für den Protest und ein Schülerstreik. Wir können was erreichen, zusammen sind wir stark, wir lassen uns nicht unterkriegen, das ist die Stimmung, die einem hier entgegen schlägt.

Aber das wahrhaft Große daran ist nicht die Frage, ob die Bürger es wirklich schaffen, sich durch zu setzen und das bereits vor vielen Jahren geplante Vorhaben zu stoppen, sondern die Tatsache, dass sie ein so großes, gemeinsames Bewusstsein aufgebaut haben. Und das schon über eine so lange Zeit aufrecht erhalten können.

Ich wünsche den Stuttgartern viel Energie und letztlich natürlich Erfolg und ich hoffe, dass sie uns allen für lange Zeit ein Beispiel bleiben.

Musik

•12/08/2010 • 1 Comment

Leipzig, Augustusplatz, Classic Open 2010. Es ist ein lauer Sommerabend, das Wetter ist gut, Gott sei Dank. Der Platz ist gefüllt; die Leute erwarten Andrea Höhn mit Band und Swing. Oder wollen einfach nur ein gepflegtes Feierabendbier trinken. Einige Nylonsaiten-Fans sind aber auch dabei, man erkennt sie, sie sehen anders aus, als die anderen, sie sind jünger und irgendwie punkiger. Einige tragen Hut.

Die Fans müssen sich eine halbe Stunde richtige Klassik antun, auf der Leinwand läuft ein Film über einen jungen Tenor in Wien. Öööh.

Dann kommt ein schöner Werbefilm über das Westend, ein Familienwohnundwohlfühlkomplex, der in Lindenau entstehen soll. Sieht super aus. Aber wer Lindenau kennt, schmunzelt. Trotzdem wissen wir natürlich, dass Leipzig toll ist und brauchen das zum mitschunkeln einladende Leipzig-Lob-Lied, das Peter Degener, der Impressario, im Playback schmettert, eigentlich nicht.

Mein Leipzig lob ich mir, zitiert er den guten alten Goethe und preist dann eine Stimme Leipzigs an. Nadine, wo bist du?

Und da kommt sie. Im eleganten roten Abendkleid, passend zum Anlass. Ihre Latschen passen überhaupt nicht zum Kleid, man sieht sie aber nur auf ungünstigen Leinwandbildeinstellungen. Und irgendwie passt es doch zu ihr.

Es ist ihr bisher größtes Publikum, das Zehnfache dessen, was sie gewöhnt ist. Ihr zittern die Knie, sagt sie. Soso. Aber man merkt es nicht, mit ihrer lockeren Art und unterhaltsamen Publikumsnähe überspielt sie alle Unsicherheit.

Nadine plus zwei Mann: Kontra-Bassis und Freund Chris Torrak zu ihrer Linken, und rechts von ihr Till Kratschmer am Keyboard, Verzeihung, Piano.

Und dann geht es los.

Nach drei Minuten ist auch der Sound gut eingestellt und die Leinwand hinter ihr zeigt das Bühnengeschehen in groß: eine wunderschöne, leidenschaftliche Wahnsinnsfrau. Mit Gitarre.

Im metropolen Lichtblinkschein des Riesenrads glänzt sie mit ihrem ursprünglichen Sachsenhumor und -akzent. Und mit einer enorm anziehenden Sinnlichkeit und Leidenschaft. Und natürlich mit dieser außergewöhnlichen Stimme, die so unheimlich viel drauf hat: hoch und tief, sanft und rau, Gesang und Geräusche. Anderswo wurde es als Quietschen und Kreischen beschrieben, das trifft aber auf ihre zum Teil ungewöhnlichen, aber dennoch wohlplazierten, harmonischen Stimmsoundgeräuscheffekte nicht wirklich zu. Wunderschön und stimmgewaltig. Es berührt, lockt kleine und große Tränen von irgendwo hervor, wo man sie gar nicht vermutet hätte.

„Wir machen übrigens überwiegend traurige Musik, ich hoffe das ist okeh“, sagt sie fröhlich. Und lacht. Und singt dann Chrismas Tree, wirklich eines der traurigsten Lieder, das ich kenne.

Dann Naked. Da geht es „salopp gesagt um ‘ne Arschlochbeziehung“. Na, ob das hier so angebracht war? Man kann es ihr aber nicht übel nehmen, weil sie mit ihrem Lachen und ihrer Ausstrahlung trotzdem immer noch so … klassisch wirkt.

Obwohl das elegante Kleid auch für sie ungewohnt ist. Sie spielt damit, zupft es fast ein wenig zu hoch, weil sies „net gewöhnt is, mit Hosen kann man des net machen“. Und wie setzt man sich damit nur auf den Barhocker? Sie erntet aber nur begeisterte Pfiffe und Schreie. „Danke dahinten, Oder schreien die, weil sie im Riesenrad sitzen?“

Und dann ein deutsches Lied. Endlich. Nägel mit Köpfen. Sie weiß selber nicht, worum es dabei geht. Es ist ein wenig ruhiger. Klingt anders, als die englischen. Aber immer noch weltklasse.

Und das ist die Frau mit Gitarre in der Tat: Weltklasse. Ein Künstler, den dieses Publikum eigentlich gar nicht verdient hat. Sie gehört auf andere Bühnen. Auf große Bühnen. Vor Menschen, die Kunst dieser Art zu schätzen wissen. Die sich auf Texte, wie diese – z. B. Janecks Schloss, ein Solostück, unplugged, quasi – einlassen können. Die genug Tiefe mitbringen, um diese tiefgehende Musik rein lassen zu können.

Bei Wenn sie geht brechen die ersten Senioren auch schon auf. Dabei ist es ihr Lied…

Zum Schluss gibt es noch das altbewährte Mitmachlied: All for the cat. Nach der zweiten Aufforderung klappt es sogar und die Leute rufen nach jedem „all for the cat“ ihr „nein“, „ach Quatsch“ und „alles Käse“.

Das letzte Lied ist der Monstersong, ein melodisch fröhliches Kinderschlaflied mit Tiefgang.

„Wir schwimmen an dem was war vorbei, an dem was war vorbei“, darf das Publikum mitsingen, während Nadine alle Monster bunt malt.

Ich liebe es.

Und zahlreiche andere auch. Sie wollen Zugabe. Mit dem Rocksong zeigt Nadine nochmal, was sie kann. Die zweite geforderte Zugabe wird vom Veranstalter leider einfach abgewürgt, das Ende geht übergangslos in eine Aufnahme von einem Konzert von Natalie Cole über. Öööh.

Nach dem Konzert ist Nadine von Menschen umringt. Und es sind nicht nur alte Freunde und Fans, von denen ihr einige sogar auf ihren Konzerten hinterher reisen. Sie hat sich wieder ein paar neue Fans gemacht und sogar Menschen aus älteren Generationen beeindruckt. Sie gibt Autogramme auf ihre frisch gepresste CD und in Poesiealben und posiert umarmend für Fotos. Man muss sich geduldig anstellen, wenn man auch ein wenig in den Glanz eintauchen will, aber es kommt jeder dran. Die Saitenstrümpfe sind noch richtig zum anfassen.

Und ich? Ich bin berührt. Und stolz. Unheimlich stolz. Ich freue mich, dass ich im selben tollen Leipzig lebe, in dem dieses Talent ausgebrochen ist. Dass ich im selben Riesenradblinklicht sitzen kann und Zeuge sein darf. Zeuge davon, dass es wahrhaft Großes gibt, das noch größer ist, als sein bisher größter Auftritt.

Es wird nicht dabei bleiben. Es wird eine Zeit kommen, da werden sich die Publikumszahlen noch einmal verhundert- oder vertausendfachen.

Und dann werden wir mit ein wenig Wehmut an dieses bisher größte Konzert denken, als man das Unfassbare noch anfassen konnte. Und sogar umsonst bekam.

lost generation

•24/07/2010 • 1 Comment

For people of my generation life is not easy. We are born into a world full of possibilities and choices. You’ve all experienced it yourself: you just want to buy strawberry yoghurt, but there you stand in the supermarket, in front of the yoghurt shelf, confronted with 20 different sorts of strawberry yoghurt. And you just don’ t know which one to choose.

That’s how we feel.

For our parents and even more for our grandparents life was much easier in some way. The path was given and choices were little (at least that’s what I think. I wasn’t there myself!).

But today we have the absolute freedom of choice. We can do WHAT WE WANT. We can chose where to live, what to learn, what to eat, who we want to be and what we want to become. The only problem is: we don’t know, what to chose. We don’t know WHAT WE WANT. And how could we know. We can only find out by trying. So we try…

I know that I don’t just speak for my self. Most of my friends, most people of my age, are lost. And those who say they arent’t are just not aware of it yet.. Some think, they know exactly, what they want, just to find out one day, that they are fooling themselves. Many are going astray for a long time. And they suffer. There is pressure from the outer world, from parents, from “society” (who ever this “society”-guy is!).

So many signs pointing into so many different directions. And we are expected to make the right choices right away and be successful in everything we do. But the problem is: we don’t know what we want. And how could we know. We can only find out by trying. By doing the wrong thing, taking the wrong decision, doing mistakes again and again, by suffering for a long time.

But sometimes some people find out – and I hope that eventually everyone will – where they are supposed to go. When they stop listening to all those well meant, but false advices, stop following those signs that lead to other peoples’ dreams and wishes. When they become brave enough and start listening to their own heart. That’s no easy task as well. Following your own path can be very tough and challenging. But finally it’s the only path we can follow. You can only be successful in something, when you do it with all your heart, when you really love, what you are doing.

But today I am proud of presenting someone who found out. And I am even more proud that I can call that person my friend.

Nadine Maria Schmidt does, what she loves and she is DAMN GOOD in it.

Nadine is a musician, she is Nylonsaiten & Saitenstrümpfe, she is the Woman with Guitar.

I know that she was struggling as well. And even now that she knows exactly what she wants to do, she experiences how difficult it can be. It is hard work.

But I know that she will keep following her path and I am sure that one day she will be on top, she will be filling big concert halls and moving thousands of people to tears.

She is already moving me to tears, as I’m sitting here in my room, listening to her new cd somewhere in between.

Please, go and check it out yourself, listen to it, buy her cd, you will love it, I promise…

Come and find her world!

Just for today…

•12/07/2010 • 1 Comment

There are still people reading this blog every day. I wonder who you are… and I am a little surprised, but I see this as a sign to keep on writing.

But what should I write about now? What can Shakti Vacan contain, that is worth reading?

I am home. No more exotic stories, no funny experiences (so far).

Home is boring. At least you could think like that.

But I am not bored at all. I enjoy it, every day, every second.

Life is a manifestation of your innermost… what ever there is inside us. Emotions, feelings, thoughts, wishes, needs, expectations, patterns of awareness. Most people are not very aware of it and they think they have no control of their life. We suffer because we tend to see the negative aspects of life. And we blame the system, the politicians, the weather, our neighbours and parents, our boss, our ex-girlfriend.

But it’s all in our hands, in our own control. And it starts with our thinking.

If we start thinking positively about life, ourselves, the environment, it will be positive. Everything changes, if we become more aware of and are more grateful for the abundance we are blessed with. “Oh yeah, positive thinking”, you might say, “I tried that, but it didn’t work. Germany didn’t win the world cup and I did not win in the lottery.”

It doesn’t work like that, because that is not, what’s the innermost… thingy. Let’s call it nature. These might be our superficial wishes and needs. Sure, we all want to win a lot of money and stop working and buy an island somewhere in the Caribbean.

Do we really want that? Do we really need that?

We want a partner, who loves us, who gives us security, satisfaction and makes up for all the other things that go wrong in our lives.

But it doesn’t work, because you need to go back to yourself. Be satisfied with yourself, love yourself, feel safe in yourself. Only then can you love others and receive their love. Only then can you also be happy with a lot of money. And you can only enjoy your island in the Caribbean, when you know how to enjoy life at all. It must be damn boring, otherwise. And I’m sure your problems will find you there as well.

Okay, that’s nothing new, we all know it. Jesus said it and the Buddha said it and Eckhard Tolle said it, as well. The theory is easy, what is difficult, is to actually LIVE it.

Home is boring, I said, no exotic stories, no funny experiences.

But that is exactly what I want right now. And in fact I am not bored at all. I enjoy it, every day, every second. It is the manifestation of what I want, of what I need to be happy.

And everyday is full of all these small lovely signs of the world, that is the most beautiful, the most wonderful place we can imagine.

Today I was sitting in a cherry tree in my grandmothers garden. And I was in the forest, walking in the ice-cold little stream, eating blueberries fresh from the bush.

This is exactly, what I was longing for, what I missed so much, when I was sitting on the stairs of Sharma Cottage in Dharamshala, gazing at the mountains and thinking of home. It is my manifestation.

Unfortunately that doesn’t mean that I am a master of positive thinking and manifestation.

Now I am here, sitting in our backyard and thinking of the stairs of Sharma Cottage and the mountains.

What is real, I ask? Am I sitting in India, thinking of Germany or am I sitting in Germany, thinking of India? The vision of my memory and the vision of what I actually see melt and merge into one.

It doesn’t matter after all. Both is real at the same time.

And what is it, that you want to tell us, Nadia? … Ehrm. Well.

It doesn’t really matter. Maybe we all should just eat more cherries. And smile. And dance. And don’t care about the rest. For a moment. (cherries and smile and dance are the most wonderful things I can think of, right now).

Just for today I will not worry…

Transormation

•07/07/2010 • Leave a Comment

Nadia is home. India is past. But it’s not gone, i brought it home with me.

The new titel Shakti Vacan is inspired by “Ganesh Vacan”, wich you can find in every Indian newspaper. Ganesh Vacan means word of ganesh, ganesh speaks ( it’s the daily horoskope :-) )

Shakti speaks now. (writes)

Listen, if you want to. (read)

 
Follow

Get every new post delivered to your Inbox.